Kapitel 4 - Installation der Debian GNU/Linux 1.2 mit Disketten
Konfiguration Ihres Rechners
Vor der eigentlichen Linux-Installation gibt es einige Dinge, die Sie
überprüfen sollten. Lesen Sie deshalb bitte die folgende Abschnitte
und kontrollieren Sie Ihre Hardware entsprechend.
Zuerst sollten Sie sich entscheiden auf welche Festplatte Sie Ihr
Linux System installieren wollen. Sie haben ja die Daten dieser
Festplatte zusammen mit denen der anderen Platten schon gesichert -
oder?
Ihr Motherboard verfügt wahrscheinlich über ein BIOS Setup-Menü. Bei
manchen Rechnern wird dieses Menü durch die Betätigung der Entf-Taste
(Del) aktiviert. Andere benötigen eine spezielle SETUP Diskette oder
nutzen andere Mechanismen zur Aktivierung. Können Sie in das BIOS
Setup-Menü gelangen, so können Sie die in den nächsten Abschnitten
vorgestellten Eigenschaften einstellen.
Viele BIOS Setup-Menüs gestatten die Einstellung, von welchem Laufwerk
aus das System gestartet werden soll. Da Sie Linux mit Disketten
installieren wollen, sollte zuerst vom ersten Diskettenlaufwerk
(a:) und dann von der ersten Festplatte
(c:) der Bootvorgang ermöglicht werden.
Bei manchen Rechnern wird zwischen Extended oder Expanded Memory
unterschieden. Da Linux nur den Extended Memory nutzen kann, sollten
Sie dieser Speicherverwaltungsart soviel RAM wie möglich zuweisen.
Schalten Sie bitte die Warnungen Ihres BIOS vor Viren ab. Besitzen Sie
andere Hardware, die den Schutz vor Viren übernimmt, so schalten Sie
sie bitte ab, wenn Sie Linux benutzen wollen. Ist dies nicht möglich,
so entfernen Sie sie bitte aus dem System. Diese Erweiterungen
arbeiten nicht mit Linux zusammen. Linux verwendet außerdem eine
bessere Methode, um sie vor Viren zu schützen (siehe Abschnitt Eingeben des Root-Passworts
, section 6.20).
Ihr Motherboard bietet Ihnen wahrscheinlich die Möglichkeit
sogenanntes Shadow Ram zu nutzen. Sie werden Einstellungen für ``Video
BIOS Shadow'', ``C800-CBFF Shadow'', etc. finden. Schalten Sie bitte
alle diese Optionen aus (Disable). Shadow Ram wird dazu benutzt den
Zugriff auf die ROMs, der Nur-Lese-Speicher, Ihres Systems zu
beschleunigen. Linux umgeht die Benutzung dieser ROMs nachdem es
gebootet ist und ersetzt diese 16-Bit Software durch seine eigenen
schnelleren 32-bittigen Programme. Das Ausschalten des Shadow Rams
gibt einige diese Speicherbereiche zur normalen Nutzung durch andere
Programme frei. Aktivieren Sie das Shadow Ram dagegen, so
kann es zu unerwünschten Überschneidungen mit dem
Hardwarezugriff durch Linux kommen und damit zu unnötigen
Systemabstürzen führen.
Bietet Ihr Motherboard Advanced Power Management (APM), so
konfigurieren Sie es bitte so, daß das Power Management vom APM
kontrolliert wird. Schalten Sie die doze, standby, suspend, nap und
sleep modes genauso aus wie die power-down timer der Festplatte (hard
disk). Linux kann all diese Einstellungen selber viel besser
überwachen und entsprechend reagieren als es das BIOS vermag. Die
Version des Betriebsystemkerns auf den Installationsdisketten jedoch
unterstützt APM nicht, da es auf einem Laptop zu Abstürzen
kam. Nachdem Sie jedoch das Linux-Basissystem installiert haben,
können Sie das Source-Paket des Kerns (kernel-source)
aufspielen und sich einen eigenen Betriebsystemkern erstellen, den Sie
dann genau an Ihre Vorstellungen anpassen können, also z.B. auch mit
APM.
Bietet Ihnen das BIOS eine Einstellung wie ``15-16 MB Memory Hole'', so
schalten Sie das bitte aus. Linux geht davon aus, daß sich an dieser
Stelle wirklich Speicher befindet, jedenfalls wenn Sie soviel RAM
haben.
Bei einem Intel Endeavor Motherboard gibt es eine Option mit dem Namen
``LFB'' oder ``Linear Frame Buffer'', die die zwei
Auswahlpunkte ``Disable'' und ``1 Megabyte''
besitzt. Wählen Sie ``1 Megabyte'' aus. Als
``Disable'' eingestellt war, wurde die Installationsdiskette
nicht richtig eingelesen und es kam teilweise zu Systemabstürzen. Zur
Zeit können wir das Verhalten nicht erklären, aber es funktioniert so
und nicht anders.
Einige Erweiterungskarten bieten Ihnen die Einstellung ``mapped
memory'' an. Dabei ist festzulegen wohin bestimmte
Speicherbereiche der Karte im Hauptspeicher eingeblendet werden
sollen. Geeignete Angaben liegen zwischen 0xA0000 und 0xFFFFF, also
zwischen 640 kB bis 1 MB, oder aber mindestens 1 MB oberhalb des
gesamten physikalischen Hauptspeichers.
Ein beunruhigender Trend ist die rasante Verbreitung von Windows
Modems und Druckern. In einigen Fällen sind sie besonders für den
Betrieb durch das Microsoft Windows ausgelegt und tragen die
Aufschrift ``Made especially for Windows-based computers'' oder
``GDI-...''. Dies wird im
Allgemeinen durch das Entfernen eines eigenen Prozessors in der
Hardware erreicht. Seine Aufgaben werden dann einem Windows-Treiber
und damit dem Hauptprozessor des Computers aufgebürdet. Ziel dieses
Vorgehens ist die Verringerung der Hardwarekosten. Häufig werden diese
Einsparungen aber nicht an den Kunden weitergegeben. Manchmal ist
solche Hardware sogar teuerer als ähnliche Geräte mit eigener
``Intelligenz''.
Es gibt zwei Gründe, die gegen die Verwendung von windows-spezifischer
Hardware sprechen. Der erste ist, daß die Hersteller im Allgemeinen
keine Treiber für Linux entwickeln. Auch ist es schwierig oder
unmöglich freie Treiber zu erstellen, weil entweder keine
Dokumentation der Schnittstellen verfügbar ist oder sie mit einer
Geheimhaltungsklausel belegt ist, die eine Veröffentlichung des
Treiber-Quellcodes verbietet. Der zweite Grund liegt im Fehlen des
eingebauten Prozessors. Häufig muß das Gerät in Echtzeit vom
Hauptprozessor bedient werden. In dieser Zeit steht er den anderen
Programmen auf dem System nicht zur Verfügung. Der typische
Windows-Benutzer nutzt seinen Computer nicht so für verschiedene
Prozesse, wie es ein Linux-Nutzer tut. Deshalb hoffen die Hersteller,
daß der Windows-Anwender nicht bemerkt, welche zusätzliche Arbeit sein
Prozessor verrichten muß. Tatsache bleibt aber, daß jedes
Multitasking-Betriebssystem, also auch Windows 95 oder NT, Teile
seiner Gesamtleistungsfähigkeit einbüßt, wenn Gerätehersteller auf
Prozessorleistung in Ihren Produkten verzichten.
In dieser Situation können Sie helfen, indem Sie die Hersteller
auffordern Dokumentationen usw. zu veröffentlichen um ihre Hardware
programmieren zu können. Noch besser ist es jedoch auf solche Hardware
ganz zu verzichten bis sie in der Hardwarekompatibilitätsliste
(``Linux Hardware Compatibility HOWTO'' - siehe Anhang Hardwarekompatibilitätsliste (``Linux
Hardware Compatibility HOWTO'')
, section 7.2) als funktionsfähig bezeichnet wird.
Einige Hardwarehersteller teilen uns einfach nicht mit, wie Treiber
für ihre Hardware geschrieben werden können. Andere gewähren keinen
Zugriff auf die Dokumentation, wenn nicht eine Geheimhaltungserklärung
abgeschlossen wird, der die Veröffentlichung des Quellcodes für Linux
untersagt. Ein Beispiel ist das DSP Sound-System, das in neueren IBM
ThinkPads verwendet wird und in einigen Geräten auch als Modem
eingesetzt wird. Solange kein Zugriff auf die Dokumentation dieser
Geräte besteht, werden sie unter Linux nicht genutzt werden
können. Auch hier können Sie auf den Hersteller einwirken, daß er die
Dokumentation veröffentlicht. Wenn genug Leute danach fragen, werden
sie merken, daß Linux ein für sie wichtiger Markt ist. Die
Hardwarekompatibilitätsliste (``Linux Hardware Compatibility HOWTO'' -
siehe Anhang Hardwarekompatibilitätsliste (``Linux
Hardware Compatibility HOWTO'')
, section 7.2) beschreibt, zu welcher
Hardware es Linux-Treibern gibt.
Installation der Debian GNU/Linux 1.2 mit Disketten
- Copyright © 1996, 1997 Bruce Perens (bruce@pixar.com) und
Christian Leutloff (leutloff@sundancer.tng.oche.de).
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v1.2d vom 09. Februar 1997
Christian Leutloff leutloff@sundancer.tng.oche.de
Bruce Perens bruce@pixar.com