Kapitel 6 - Installation der Debian GNU/Linux 1.2 mit Disketten
Installation des Systems

In diesem Abschnitt wird nun der eigentliche Installationsvorgang beschrieben, nachdem alle Vorarbeiten wie das Erstellen der Disketten und das Sichern aller Daten des Systems erledigt wurden.

6.1 Zuverlässigkeit von Diskettenlaufwerken

Das größte Problem bei der Erstinstallation eines Linux-Systems scheint das Diskettenlaufwerk zu sein.

Die erste Diskette (``Rettungs/Rescue'') ist diejenige mit den größten Problemen, weil sie mit Hilfe des BIOS gelesen wird. Dabei zeigt sich, daß das BIOS nicht so zuverlässig die Disketten lesen kann, wie es der Linux-Treiber zu tun pflegt. In Extremfällen stopt das BIOS einfach den Lesevorgang ohne einen Hinweis zu geben, wenn es nicht einwandfreie Daten einliest. Auch bei den späteren Disketten kann es zu Problemen kommen. Typisches Kennzeichen ist dann, daß der Bildschirm mit ``disk I/O error''-Meldungen gefüllt wird.

Wird Ihr Installationsvorgang einmal bei einer bestimmten Diskette unterbrochen, so sollten Sie als erstes sich das zugehörige Disk-Image nocheinmal besorgen und auf eine andere Diskette schreiben. Die alte Diskette einfach zu formatieren ist nicht immer ausreichend, auch wenn sie scheinbar fehlerfrei zu formatieren und beschreiben ist. Manchmal hilft es auch, die Disketten auf einem anderen Rechner zu beschreiben.

Ein Anwender berichtete, daß er erst drei ``Rettungs/Rescue''-Disketten beschreiben mußte, bevor dann es dann mit dritten endlich klaglos klappte.

Außerdem berichteten einige Anwender, daß es Zuverlässigkeitsprobleme mit Diskettenlaufwerken in Zusammenhang mit der Cyrix CPU gab. Wir verstehen dieses Problem nicht vollständig. Es ist nicht jede Cyrix-System davon betroffen. Wir bezweifeln, daß es ein Fehler der Cyrix CPU ist - wahrscheinlicher sind das BIOS oder der Linux-Kern. Sind Sie davon betroffen, so teilen Sie es uns bitte mit.


6.2 Die ``Rettungs/Rescue'' Disk

Legen Sie zunächst die Diskette ``Rettungs/Rescue'' in Ihr a:-Laufwerk ein und starten Ihren Computer neu. Dies können Sie durch das Drücken der Reset-Taste, aus- und wieder einschalten des Rechners oder durch die gleichzeitige Betätigung der drei Tasten Strg-Alt-Entf (Ctrl-Alt-Del) erreichen. Nach einem kleiner Weile sollte auf das Diskettenlaufwerk zugegriffen werden und danach ein Bildschirm erscheinen, auf dem Sie mit einer kurzen Einführung zur ``Rettungs/Rescue''-Diskette begrüßt werden. Am unteren Ende des Bildschirms erscheint die Eingabeaufforderung mit boot:. Die Bezeichnung ``Rettungs/Rescue''-Diskette wurde gewählt, weil Sie auch später Ihren Rechner von dieser Diskette aus starten können. Dies ist Ihr Rettungsanker, wenn Sie keinen Zugriff mehr auf Ihre Festplatte haben. Deshalb sind auch die für diese Tätigkeit notwendigen Programme auf dieser Diskette vorhanden. Heben Sie deshalb diese Diskette auch nach der erfolgreichen Installation Ihres Systems gut auf.

Sie haben nun die Möglichkeit sich mit den Funktionstasten F1 bis F10 einige Seiten mit weiteren nützlichen Informationen anzeigen lassen (in Englisch) oder aber das System starten, indem Sie einfach Return (Wagenrücklauftaste) drücken. Es kann vorkommen, daß bestimmte Bestandteile der Hardware nicht erkannt werden. In diesem Fall finden Sie mit Hilfe der Funktionstasten F3, F4 und F5 Parameter, die Sie beim Booten angeben können. Dazu geben Sie nach der Eingabeaufforderung boot: linux gefolgt von den Parametern ein. linux und die verschiedenen Parameter untereinander werden mit Leerzeichen abgetrennt. Zu diesem Zeitpunkt ist noch keine deutsche Tastaturbelegung verfügbar. Deshalb hier die Lage von wichtigen Zeichen auf der amerikanischen Tastatur:

Buchstabe       deutsche Beschriftung
        y       z
        z       y
        =       '
        /       -
        #       §
        +       `
        -       ß
        _       ?
        ;       ö
        :       Ö
        "       Ä

Wenn Sie das erste Mal Linux booten, so drücken Sie einfach Return. In vielen Fällen läuft Linux völlig problemlos hoch. Sollte Ihre Hardware wirklich nicht erkannt werden, so können Sie den Rechner noch einmal starten und sich dann um die entsprechenden Parameter kümmern.

Nachdem Sie Return gedrückt haben, erscheint die Meldung ``Loading...'' auf dem Bildschirm. Nach ``Uncompressing Linux ...'' kommen Hinweise über die Hardware, die Linux in Ihrem System gefunden hat. Es können auch Meldungen wie ``can't find ...'', ``... not present'' oder auch ``this driver release depends on ...'' dabei sein. Im Allgemeinen sind Sie harmlos und können ignoriert werden. Dies liegt daran, daß die ``Rettungs/Rescue'' Disk für möglichst viele verschiedene Rechner geeignet ist. Deshalb ist nur natürlich, daß kein Rechner über alle Hardwarebestandteile verfügt und deshalb das Fehlen erkannt und angezeigt wird. Teilweise werden Sie beobachten können, daß System zeitweilig Pausen einlegt. In diesen Augenblicken wartet es darauf, daß ein bestimmtes Gerät reagiert, das vielleicht garnicht vorhanden ist. Dauern Ihnen diese Zwischenpausen auf Dauer zu lange, so können Sie sich einen systemspezifischen Kern (custom kernel) erzeugen, nachdem Sie das System fertig installiert haben. Bei diesem Kern lassen Sie dann alle nicht benötigten Geräte einfach weg.


6.3 Rechner mit wenig Hauptspeicher (RAM)

Wenn Ihr Rechner mit 4 MB Hauptspeicher ausgestattet ist, wird Ihnen nun ein erklärender Absatz (über ``low memory'') und ein Textmenü mit drei Auswählmöglichkeiten präsentiert. Haben Sie mehr Hauptspeicher, so sehen Sie dies nicht, sondern gleich die Auswahlbox zur Farb- oder Schwarz/Weiß-Darstellung, die im nächsten Abschnitt beschrieben wird.

Bekommen Sie dieses ``low memory''-Menü, so müssen Sie alle drei Punkte der Reihe nach abarbeiten:

Ihre Festplatte wird mit dem Programm cfdisk partitioniert. Weitere Hinweise zu diesem Programm finden Sie im Anhang in Abschnitt cfdisk - Programm zur Festplattenpartitionierung , subsection 7.4.1. Legen Sie mit cfdisk eine ``Linux Swap Partition'' (type 82) an. Durch diesen Festplattenbereich wird Ihr Hauptspeicher durch sogenannten virtuellen Speicher (virtual memory) vergrößert, so daß die nachfolgende Installation reibungslos über die Bühne gehen kann. Der Installationsvorgang benötigt nämlich mehr als 4 MB Hauptspeicher. Die Größe der Partition richtet sich nach dem Anforderungen, die Sie an das fertig installierte System stellen. 16 MB ist wahrscheinlich die unterste Grenze, die noch funktioniert. Besser sind 32 MB, wenn Sie diesen Platz erübrigen können, oder aber 64 MB, wenn Ihre Festplatte so groß ist, daß der fehlende Platz kaum auffällt.

6.4 Farb- oder Schwarz/Weiß-Darstellung

Mit Hilfe der nach dem Bootvorgang erscheinenden Dialogbox können Sie angeben, ob Sie im folgenden eine farbige oder lieber eine schwarz/weiße Darstellung bevorzugen. Verwenden Sie einen Schwarz/Weiß-Monitor, so fahren Sie einfach durch Drücken der Return-Taste fort. Schauen Sie dagegen auf einen Farbmonitor, so bewegen Sie den Cursor mit den Pfeiltasten (Cursortasten) auf den Menupunkt Color und drücken dort Return. Die Bildschirmdarstellung sollte daraufhin von schwarz/weißer Darstellung auf die Farbige umschalten. Drücken Sie nun ein zweites Mal auf Return, um mit der Installation fortzufahren.

6.5 Das Hauptmenü

Als nächstes sehen Sie ein Fenster, in dem ``The installation program is determining the current state of your system'' steht. Das Installationprogramm überprüft zwischen den verschiedenen Schritten den aktuellen Zustand des Systems. Dies geht auf manchen Systemen so schnell, daß der Inhalt des Fensters nicht zu lesen ist. Diese Überprüfung des aktuellen Systemzustandes erlaubt Ihnen die Unterbrechung des Installationsvorgang, da festgehalten wird, welche Installationsschritte Sie bereits erfolgreich durchgeführt haben. Müssen Sie den Installationsvorgang erneut starten, so müssen sie folgendes erledigen: Alles, was Sie sonst noch erledigt haben, bleibt erhalten.

Von dem Hauptmenü aus steuern Sie die gesamte weitere Installation. Deswegen gelangen Sie nach jeder Aktion hierher wieder zurück. Im Kopfbereich verändern sich die Auswahlpunkte und zeigen Ihnen so den Fortschritt der Installation an. Phil Hughes schrieb im Linux Journal, daß man einem Huhn beibringen könnte Debian zu installieren. Er wollte damit sagen, daß man während des Installationsprozesses meistens nur die Return-Taste picken muß. Mit dem ersten Punkt des Hauptmenü wird Ihnen der nächste sinnvolle Schritt, beim aktuellen Stand der Installation, als Next angeboten. Wollen Sie jedoch einen anderen Punkt auswählen, so können Sie das jederzeit mit den Pfeiltasten tun. Jetzt sollte der als Next angegebene Punkt Configure the Keyboard heißen.


6.6 Tastatur konfigurieren

Überzeugen Sie sich davon, daß der Menüpunkt Configure the Keyboard hervorgehoben ist und aktivieren ihn durch das Betätigen der Return-Taste. Nun befinden Sie sich in einem Menü, das Ihnen die Auswahl Ihres Tastaturlayouts gestattet (keyboard configuration menu). Mit Hilfe der Pfeiltasten können Sie den hervorgehobenen Bereich verschieben. Bewegen Sie ihn auf das Layout Ihrer Sprache oder einer die der Ihren sehr ähnlich ist. Nachdem Abschluß der Systeminstallation stehen ihnen weitere Tastaturlayouts zur Verfügung. Die Pfeiltasten liegen auf jeder Tastatur an der gleichen Stelle, so daß sie unabhängig vom gewählten Tastaturkonfiguration sind. Nachdem Sie die Hervorhebung nun auf das von Ihnen gewünschte Tastaturlayout bewegt haben, betätigen Sie die Return-Taste um die Auswahl zu bestätigen.

Der nächsten Schritte sind die Partitionierung (Partition a Hard Disk) und Formatierung (Initialize ...) der Festplatte.


6.7 Benutzung der Kommandozeile bzw. UNIX-Shell

Schon fortgeschrittene UNIX- oder Linux-Anwender gelangen mit LeftAlt-F2 zu der zweiten virtuellen Console. Diese Tastenkombination wird durch gleichzeitiges Drücken der linken Alt-Taste und der Funktionstaste F2 eingegeben. Auf diesem zweiten Bildschirm läuft das Programm ash. Dies ist eine der Bourne Shell nachgeahmte Kommandozeile. Sie steht Ihnen nachdem Booten von der RAM-Disk jetzt zur Verfügung. Hier können Sie in Notfällen die Unix Werkzeuge benutzen, die Sie in den Verzeichnissen /bin /sbin /usr/bin /usr/sbin finden. Bitte benutzen Sie während der Installation trotzdem immer die Menüpunkte, da die Menüsoftware die von Ihnen sonst vorgenommen Änderungen am System nicht mitbekommt. Mit LeftAlt-F1 gelangen Sie wieder zurück zu dem Bildschirm mit dem Hauptmenü. Linux bietet bis zu 64 virtuellen Consolen, obwohl die ``Rettungs/Rescue'' Disk nur einige wenige zur Verfügung stellt.

6.8 Last Chance!

Wir hatten Sie ja schon mehrfach aufgefordert Ihre Daten zu sichern. Hier kommt nun die erste Gelegenheit all Ihre alten Daten zu löschen und gleichzeitig die letzte Möglichkeit Ihre wertvollen Daten doch noch zu sichern. Sollten Sie noch keine Sicherungen haben, so entfernen Sie die Diskette aus dem Laufwerk, starten Ihr System neu und sichern Ihre Daten mit Ihrem Backup-Programm.

6.9 Festplatte partitionieren

Soweit noch keine ``Linux native'' und ``Linux swap'' Partitionen existieren wird der nächste Menüpunkt Partition a Hard Disk sein. Haben Sie schon mindestens eine ``Linux native'' und/oder eine ``Linux swap'' Partition angelegt, so steht die Menüauswahl auf Initialize and Activate the Swap Disk Partition. Haben Sie 4 MB Hauptspeicher, so wurde Ihnen das ``low memory''-Menü angezeigt und Sie haben deshalb die Swap-Partition schon beim Booten des Systems angelegt und aktiviert. Deshalb müssen Sie diesen Punkt übergehen. Selbstverständlich können Sie jederzeit die Pfeiltasten benutzen, um zu Partition a Hard Disk zu gelangen.

Nach der Auswahl des Menüpunktes Partition a Hard Disk wird Ihnen eine Auflistung der Festplatten angezeigt, die Sie partitionieren können. Anschließend wird das Programm cfdisk aufgerufen mit dem Sie Partitionen erzeugen und verändern können. Die Handbuchseite von cfdisk befindet sich im Anhang dieses Dokumentes (siehe Abschnitt cfdisk - Programm zur Festplattenpartitionierung , subsection 7.4.1). Es ist nun eine guter Zeitpunkt diese Dokumentation zu lesen. Sie müssen mindestens eine ``Linux native'' (type 83) und eine ``Linux swap'' (type 82) Partition anlegen.

Die Swap-Partition ist der virtuelle Speicher des Systems und sollte zwischen 16 und 128 MB groß sein. Die genaue Größe richtet sich nach dem vorhandenen Festplattenplatz und danach wieviele große Programme sie gleichzeitig nutzen wollen. Eine gute Faustregel ist, daß der gesamte Speicher, also RAM plus Swap-Bereich, bei Textmodus-Systemen etwa 25 MB und bei X-Windows-Systemen, die auch von Linux verwendete grafische Oberfläche, etwa 70 MB betragen sollte. Linux nutzt nicht mehr als 128 MB zum Swappen, so daß es keinen Grund gibt eine größere Swap-Partition anzulegen. Es ist sehr empfehlenswert eine Swap-Partition zu verwenden. Wenn Sie darauf unbedingt verzichten wollen, so sollten Sie mindesten 16 MB RAM haben. In diesem Fall können Sie den Menüpunkt Do Without a Swap Partition benutzen.

Die Linux-Partition nimmt alle Ihre Dateien auf und kann eine beliebige Größe zwischen 40 MB und der Gesamtgröße der Festplatte abzüglich der Swap-Partition sein. Wenn Sie sich schon mit Unix oder Linux auskennen, möchten Sie vielleicht weitere Partitionen anlegen, die dann z.B. die /var und /usr Dateisysteme aufnehmen.


6.10 Initialisieren (Formatieren) und Aktivieren der Swap-Partition

Dies ist der nächste Menüeintrag nachdem Sie eine Partition auf der Festplatte angelegt haben. Sie haben die Auswahl zwischen dem Initialisieren und Aktivieren einer Swap-Partition, dem Aktivieren einer schon initialisierten Swap-Partition und dem Fortfahren ohne Swap-Partition. Es ist immer möglich eine Swap-Partition noch einmal zu Initialisieren. Deshalb wählen Sie im Zweifelsfall den Punkt Initialize and Activate the Swap Disk Partition aus. Dieser Menüpunkt gibt Ihnen die Möglichkeit auf der Festplatte nach defekten Blöcken suchen zu lassen. Dies ist bei MFM-, RLL- und älteren SCSI-Platten nützlich und empfehlenswert. Richtig funktionierende IDE- und SCSI-Platten benötigen diese Funktion nicht, da sie eigene interne Mechanismen verwenden um defekte Bereiche auszuklammern.

Die Swap-Partition ergänzt den im Computer vorhandenen Hauptspeicher um virtuellen Speicher. Da dieser Speicher auch schon bei der Installation genutzt wird, wird die Swap-Partition zuerst initialisiert.


6.11 Initialisieren der Linux-Partition

An dieser Stelle sollte der nächste Menüpunkt Initialize a Linux Disk Partition sein. Ist dies nicht der Fall, so haben Sie vielleicht das Partitionieren der Festplatte noch nicht abgeschlossen oder den Schritt zum Anlegen der Swap-Partition nicht durchgeführt.

Sie können nun ein Linux-Partition initialisieren oder alternativ eine schon initialisierte Linux-Partition mounten.

Diese Disketten sind nicht dafür vorgesehen ein schon existierendes System zu aktualisieren ohne alle Dateien vorher zu löschen - Debian bietet einen besseren Weg an, um ein existierendes Debian-System zu erneuern als die Verwendung von Boot-Disketten. Deshalb sollten Sie an dieser Stelle alte Partitionen initialisieren, da durch diesen Vorgang auch alle alten Dateien gelöscht werden. Alle neu angelegten Partitionen müssen in jedem Fall initialisiert werden. Der einzige Grund auf das Initialisieren zu verzichten ist, daß Sie bereits Teile des Installationsvorgangs mit dem gleichen Diskettensatz durchgeführt haben.

Wählen Sie nun den nächsten Menüpunkt aus, um die erste Partition zu initialisieren und zu mounten. Diese erste Partition wird als / (Root- oder Wurzelverzeichnis genannt) gemountet. Auch hier wird Ihnen wie schon bei der Swap-Partition die Möglichkeit gegeben nach schadhaften Blöcken auf der Festplatte suchen zu lassen. Es schadet zwar nicht dies tun zu lassen, es kann aber bei großen Festplatten auch 10 oder mehr Minuten dauern.

Nachdem die /-Partition gemountet wurde, ist der nächste Menüpunkt Install the Base System. Sie können mit den Pfeiltasten erneut die Menüpunkte zum Initialisieren und/oder Mounten von Partitionen auswählen. Haben Sie für /var, /usr und andere Dateisysteme eigene Partitionen vorgesehen, so es nun an der Zeit sie zu initialisieren und/oder zu mounten.


6.12 Basissystem installieren

Nachdem Sie die Partionen gemountet haben, wählen Sie den Menüpunkt Install the Base System aus. Das System sucht nun nach einer ``lokalen Kopie'' des Basissystems, um auch Installationen von einer CD-ROM oder anderen Medien zu unterstützen. Dies kann eine kleine Weile dauern. Schlägt dieser Vorgang fehl, so werden Sie aufgefordert das Diskettenlaufwerk auszuwählen, von dem die Basis-Disketten eingelesen werden sollen.

Nachdem Sie das richtige Laufwerk bestimmt haben, werden Sie aufgefordert nacheinander die Disketten Base/Basis 1 bis 3 (und 4 bei 1,2 MB Disketten) einzulegen. Kommt es bei einer der Disketten zu einem Lesefehler, so müssen sie nach dem Ersatz der schadhaften Diskette den Vorgang ganz wiederholen und alle 3 bzw. 4 Disketten noch einmal einlegen. Erst nachdem alle Disketten vollständig eingelesen sind, installiert das System die Dateien an den vorgesehenen Stellen. Dies kann 10 oder mehr Minuten auf langsamen Systemen dauern. Auf Schnelleren brauchen Sie nicht so lange zu warten.


6.13 Betriebsystemkern installieren

Der nächste Menüpunkt ist nun Install the Operating System Kernel. Nach seiner Auswahl werden Sie aufgefordert ein Diskettenlaufwerk zu bestimmen und dort dann die Boot-Diskette des Installationssatzes (``Rettungs/Rescue'') einzulegen. Damit wird der Linux-Kern auf die Festplatte kopiert. Dieser Betriebsystemkern wird in einem späteren Schritt dazu genutzt sowohl eine spezielle (Notfall-)Bootdiskette für Ihr System herzustellen als auch es Ihnen zu ermöglichen direkt von der Festplatte zu booten, an Stelle des Umweges über eine Bootdiskette.

6.14 Gerätetreiber installieren

Nachdem Sie nun den Auswahlpunkt Install the Device Drivers gewählt haben, werden Sie aufgefordert die ``Gerätetreiber/Device Driver''-Diskette einzulegen. Die Gerätetreiber werden dann auf Ihre Festplatte kopiert. Nach Auswahl von Configure Device Drivers können Sie die Treiber der Geräte in Ihrem System konfigurieren. Die von Ihnen so eingerichteten Treiber werden beim nächsten Bootvorgang automatisch geladen.

In dem Konfigurationsmenü gibt es einen extra Eintrag für PCMCIA-Karten. Aber anstelle den zugehörigen Treiber zu aktivieren, ist es sinnvoller nach Beendigung des Installationsvorganges das pcmcia-cs Paket zu installieren. Die zugehörigen Programme sind in der Lage PCMCIA-Karten automatisch zu erkennen und zu konfigurieren. Sie ermöglichen auch den Wechsel der Karten während das System weiterläuft (hot-plug) und auch das Entfernen der Treiber, wenn die Karten dauerhaft entfernt werden.


6.15 Konfiguration des Basissystems

Jetzt haben Sie alle Dateien auf die Festplatte kopiert, die Sie für ein minimales Debian-System benötigen. Jetzt fehlen noch einige wenige Einstellungen, bevor das System selbständig funktioniert. Wählen Sie für diesen Schritt bitte den Menüpunkt Configure the Base System aus.

Zunächst werden Sie nach der Zeitzone befragt. Suchen Sie sich dazu Ihre Zeitzone oder die Region in der Sie leben aus. In Deutschland geben Sie z.B. Europe/Berlin ein. Ihre Eingaben können zu weiteren Menüpunkten führen, wo die aktuelle Zeitzone ausgewählt werden kann.

Im nächsten Schritt werden Sie gefragt, ob die Systemuhr auf GMT oder lokale Zeit eingestellt werden soll. Wählen Sie GMT aus, wenn nur Linux oder Unix auf Ihren Rechner läuft. Setzen Sie auch DOS/Windows ein, so sollten Sie die lokale Zeit verwenden. Unix und Linux belassen GMT in der Systemuhr und verwenden geeignete Software, um die Uhrzeit in die lokale Zeit umzurechnen. Dies erlaubt Ihnen Sommerzeiten und Schaltjahre zu berücksichtigen. Auch User, die sich aus anderen Zeitzonen in Ihr System einloggen, können die Zeitzone ihres Terminals frei vorgeben. Wenn Sie GMT auf Ihrer Systemuhr laufen lassen, werden Sie sehen, daß das System die Uhrzeit an den Tagen korrekt verändert, an denen die Sommerzeit anfängt und wieder endet.


6.16 Konfiguration des Netzwerks

Selbst wenn Ihr Computer nicht an ein Netzwerk angeschlossen ist, müssen Sie die ersten beiden Fragen beantworten. Nach What is the name of your computer? geben Sie Ihrem System einen Namen und Is your system connected to a network? können Sie in diesem Fall verneinen.

Ist Ihr Rechner aber Teil eines TCP/IP-Netzwerks, so benötigen Sie ein paar Angaben. Können Sie sie nicht selbst ermitteln, so wenden Sie sich bitte an Ihren Netzwerkadministrator. Hier eine Auflistung der benötigten Informationen:

In den nächsten Absätzen wird erläutert, welche Bedeutung die gerade aufgelisteten Angaben haben. Der Name des Rechners ist meist eine Phantasiebezeichnung, die sich der Benutzer ausgedacht hat. In Netzwerken kann der Name auch die Funktion des Rechners wiederspiegeln. Beispiele für Rechnernamen sind sundancer oder isdn-gate.

Der Domainname ist die Adresse Ihres Rechners und wird an den Rechnernamen angehängt. Dadurch kann z.B. eMail an Ihren Rechner weltweit zugestellt werden. Der Domainname enthält meist, wie eine normale Adresse, noch Informationen über die Lage der Domain. Die Domain oche.de etwa ist in Aachen (auf Platt "Oche"), Deutschland ("de"), beheimatet. Die Kombination aus Rechner- und Domainname ist weltweit eindeutig. Neben dem Namen bekommt der Computer noch eine IP-Nummer, die auch auf der ganzen Welt eindeutig ist.

Die nächsten Begriffe sind nur für Netzwerke von Bedeutung. Falls Sie also mit Ihren Computer ins Internet gehen, so wird Ihnen der zuständige Provider die für Sie gültigen Werte mitteilen. Mit Hilfe der Netzwerkmaske und der Broadcast-Adresse wird die Verteilung von Datenpaketen in Ihrem lokalen Netz (LAN/Intranet) und auch im Internet gesteuert.

Das Gateway übernimmt den Transport der Datenpakete in andere Netze, also auch von Ihrem lokalen Netz ins Internet. Bei vielen Internetdiensten geben Sie einen Rechnernamen an. Um nun die Verbindung dorthin aufbauen zu können, benötigt Ihr Computer aber die IP-Nummer dieses Rechners. Die Umsetzung von Rechnernamen in eine IP-Nummer übernimmt der Name-Server. Da er für die gesamte Domain zuständig ist, heißt der Dienst Domain Name Service (DNS).

Nun ein paar sehr technische Details, die Sie vielleicht doch nützlich finden: Die Netzwerkprogramme nehmen standardmäßig an, daß sich die IP-Netzwerkadresse durch die bitweise UND-Verknüpfung der IP-Adresse des Rechners und der Netzwerkmaske ergibt. Weiter wird vorausgesetzt, soweit nichts anderes angegeben wird, daß sich die Broadcast-Adresse durch bitweise ODER-Verknüpfung von der IP-Adresse des Rechners und von der bitweisen Negation der Netzwerkmaske ergibt. Eine weitere Annahme ist, daß der Gateway-Rechner gleichzeitig als DNS Server fungiert. Sollten Sie die notwendigen Informationen nicht ermitteln können, so versuchen Sie es doch zunächst mit den Annahmen des Systems. Soweit notwendig können Sie die Einstellungen nach Abschluß der Installation verändern in dem Sie /etc/init.d/network editieren.


6.17 Von der Festplatte booten

Wollen Sie direkt von der Festplatte booten, so werden Sie nach der Aktivierung von Make the Hard Disk Bootable gefragt, ob Sie den master boot record installieren wollen. Antworten Sie mit yes, wenn Sie keinen Bootmanager installieren wollen. (Dies ist wahrscheinlich der Fall, wenn Ihnen der Begriff Bootmanager nicht so geläufig ist.) Als nächstes müssen Sie entscheiden, ob Linux automatisch von der Festplatte gestartet werden soll, wenn Sie Ihren Computer einschalten. Wollen Sie dies, so wird die Linux-Partition als bootable partition gekennzeichnet. Verneinen Sie die Frage, so können Sie später mit dem DOS-Programm fdisk oder den Linux-Programmen fdisk oder activate die bootable partition bestimmen.

Installieren Sie Linux auf einem anderen Laufwerk als der ersten Festplatte, so stellen Sie bitte sicher, daß Sie eine Bootdiskette erstellen. Die meisten Boot-ROMs (meist Teil des BIOS im Computer) sind nämlich nur in der Lage von der ersten Festplatte und nicht von der zweiten den Computer zu starten. Dieses Problem läßt sich aber nach dem Ende der Installation beseitigen. Weitere Informationen hierzu finden Sie in dem Verzeichnis /usr/doc/lilo und im Anhang Abschnitt lilo - ein Bootmanager (auch) für Linux , subsection 7.4.2.


6.18 Erstellen einer Boot-Diskette

Sie sollten auch eine Boot-Diskette erstellen, wenn Sie Ihr System von der Festplatte starten wollen. Es kann schon mal passieren, daß sich das System von der Festplatte nicht wie vorgesehen booten läßt. In diesem Fall können Sie auf die Boot-Diskette zurückgreifen, die eigentlich immer funktioniert. Wählen Sie also Make a Boot Floppy im Menü aus und legen die leere Diskette, die mit ``Benutzer Boot/Custom Boot'' beschriftet ist, in das Laufwerk ein. Die Diskette darf nicht schreibgeschützt sein, da sie formatiert und beschrieben wird. Aktivieren Sie den Schreibschutz nachdem der Schreibvorgang beendet wurde.

6.19 Der Augenblick der Wahrheit (smoke test)

Entfernen Sie nun die Disketten aus den Laufwerken und wählen den Menüpunkt Reboot the System aus. Startet Linux nun nicht wie gewünscht, so legen Sie die Custom Boot-Diskette ein und starten Ihr System erneut (Reset). Nun sollte Linux booten und die gleichen Meldungen auf dem Bildschirm erscheinen, wie beim ersten Booten von der ``Rettungs/Rescue'' Disk. Daran schließen sich ein paar neue Ausgaben an und schließlich werden Sie aufgefordert das Root-Passwort einzugeben.

6.20 Eingeben des Root-Passworts

Dieses Passwort gehört zum Superuser, also dem Systemverwalter. Dieser Zugang umgeht alle Sicherheitsmechanismen des Systems. Er sollte deswegen ausschließlich zur Systemverwaltung genutzt werden und auch dann nur so kurz wie möglich. Benutzen Sie dieses root-Login auf keinen Fall als Ihren persönlichen Zugang. Deshalb werden Sie als nächstes aufgefordert sich ein eigenes Login einzurichten. Unter diesem Zugang sollten Sie Ihre Arbeit verrrichten. Dazu gehört auch das Verschicken und Empfangen von eMail.

Sie sollten die Nutzung der Privilegien des Superusers vermeiden, damit Ihnen nicht unbemerkt Viren oder Trojanische Pferde untergeschoben werden können. Diese Trojanische Pferde genannten Programme umgehen durch das Superuserrecht unbemerkt die Sicherheitsschranken Ihres Systems. Diese Thematik wird in jedem guten Buch zur Unix-Systemadministration genauer beschrieben. Eine gute Nachricht ist sicherlich, daß Linux wesentlich sicherer als andere PC-Betriebssysteme ist. DOS und Windows beispielsweise geben allen Programmen Superuserrechte. Deshalb gibt es dort auch soviele Probleme mit Viren.

Alle Passwörter, die Sie jetzt und in Zukunft vergeben, sollten aus 6 bis 8 Zeichen bestehen und neben großen und kleinen Buchstaben auch Satzzeichen enthalten.

Nachdem nun beide Logins angelegt wurden, gelangen Sie automatisch in das dselect Programm. Es ist sinnvoll nun zunächst das Dselect Tutorial zu lesen (siehe Anhang Abschnitt Dselect Tutorial - Programmverwaltung der Debian Distribution , subsection 7.4.3). Mit dem Programm dselect können Sie die Pakete (packages) auswählen, die Sie auf Ihrem System installieren oder von dort wieder entfernen wollen. Packages sind Programmsammlungen, die speziell für das Debian-System zusammengestellt werden, wie z.B. Compiler, Editoren, Textverarbeitungen. Befinden sich Debian-Packages auf einer CD-ROM oder auf der Festplatte, so können Sie nun installiert werden. Ist dies nicht der Fall, verlassen Sie dselect und starten es erneut, sobald Sie neue Debian-Packages für Ihr System besorgt haben. Um dselect auszuführen müssen Sie sich als Superuser (root) einloggen.

Wollen Sie die grafische Oberfläche X Windows installieren und haben eine Tastatur (QWERTZ), die nicht dem amerikanischen Layout (QWERTY) entspricht, so lesen Sie bitte entsprechenden Anmerkungen in ``X11 Release note for non-US-keyboard users'' (siehe Anhang Hinweise zur Benutzung einer deutschen Tastatur mit X11 , section 7.3).


6.21 Einloggen

Nach dem Verlassen des Programms dselect, wird Ihnen der Login-Prompt präsentiert. Das heißt, daß Sie nun Ihren Login-Namen und das zugehörige Passwort eingeben können und so Zugang zum System erhalten. Von nun an können Sie Ihr Debian GNU/Linux System richtig nutzen. Viel Spaß!
Installation der Debian GNU/Linux 1.2 mit Disketten - Copyright © 1996, 1997 Bruce Perens (bruce@pixar.com) und Christian Leutloff (leutloff@sundancer.tng.oche.de). Dieses Dokument darf im Rahmen der GNU General Public License vertrieben werden.
Inhaltsverzeichnis; Zusammenfassung; vor; zurück.
v1.2d vom 09. Februar 1997
Christian Leutloff leutloff@sundancer.tng.oche.de
Bruce Perens bruce@pixar.com